Berichte von 05/2014

So kann man auch Geburtstag feiern

Freitag, 30.05.2014

Dass ich mit Peeteli immer wieder Überraschungen erlebe, habt ihr ja bestimmt schon mitbekommen. Heute gab es mal wieder eine solche Überraschung, verknüpft mit einem Ausflug nach Haapsalu . Zur Zeit ist Ute ja zu Besuch bei mir Tallinn und der Plan war eigentlich, dass ich in der Zeit Urlaub habe. Doch für den kleinen Ausflug habe ich meinen Urlaub für einen Tag unterbrochen und zusammen mit unsrem Einrichtungsleiter, der Sekretärin, einer Erzieherin, Ute, 10 Peeteli Kindern und mir ging es morgens früh los in die ca. 100km entfernte Küstenstadt Haapsalu. Die Stadt stand eh noch auf meiner Liste mit Dingen, die ich hier in Estland tun will.

Eine Schwedin, die Peeteli seit ca. 5 Jahren unterstützt, hat dort ein Ferienhaus und wollte mit uns ihren Geburtstag feiern. Wir besuchten ein Kindermuseum , aßen in einem Restaurant (für die meisten Kinder war es der erste Besuch in einem Restaurant) , gingen Spazieren und auf einem Spielplatz , schauten uns am Bahnhof alte Züge an  und zum Abschluss gab es noch Geburtstagstorte.

Einmal mehr bin ich wirklich überrascht, was für tolle und treue Freunde Peeteli doch hat. Es ist wirklich eine sehr schöne Geste, an seinem Geburtstag Kinder aus sozial benachteiligten Familien einen wunderschönen Tag zu schenken. Ich bekomme hier so viele Anregungen, was es eigentlich bedeutet in Demut zu Leben und was ich als einzelne Person doch alles tun und bewirken kann.

Alles Liebe,

Krissi

Mis juhtus?

Mittwoch, 21.05.2014

 Als ich vergangenen Samstagabend dies gesehen habe, habe ich mich echt mal wieder gefragt: "Was ist passiert?".

Eine riesige schwarze Rauchwolke in Tallinn. Da muss doch eindeutig mehr passiert sein wie ein kleines Grillfeuer am Stand...

Auch wenn ich wirklich stets bemüht bin mitzubekommen, was los ist und mich auch im Nachhinein zu informieren versuche, gelingt es mir net immer an alle Informationen ran zu kommen. Ähnlich war es auch bei meinen Nachforschungen für dieses Bild. Am Ende habe ich bei mir im Projekt einfach mal meine Kollegen gefragt, die auch in Tallinn wohnen, ob sie denn etwas mitbekommen hätten, leider erfolglos... Dennoch kam am nächsten Tag unsre Sekretärin auf mich zu und erzählt mir, dass sie die Polizeinachrichten online gelesen habe. Da wird z.T. aufgeführt, wenn sich Nachbarn über andre Nachbarn beschweren (kenne schon 3 Freiwilligenwohnungen, welche Besuche von der Polizei hatten, da sie anscheinend zu laut waren), aber von meiner schwarzen Rauchwolke war nichts zu lesen. War wohl nicht so wichtig und ich habe es nun endgültig aufgegeben herauszufinden zu wollen, was da genau passiert ist.

Passt ganz gut zu einem meiner größten Lernprozesse hier in Estland:

Ich habe gelernt, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und mich aktiv für die Dinge einzusetzen, die ich ändern kann. Nun brauche ich nur noch die Weisheit, das eine vom andren zu unterscheiden !

 

Alles Liebe,

eure Krissi

Geschichtliches

Sonntag, 18.05.2014

Nach der Museumsnacht ging es gleich weiter mit dem Museumstag. Heute zog es mich in das Okkupationsmuseum. Ein Grund mehr euch mal ein bisschen an Estlands Geschichte teilhaben zu lassen, besonders die Zeiten der Besetzung. Aber erst mal etwas grundsätzliches:

* Das jetzige estnische Gebiet wurde erstmals vor ca. 11000 Jahren besiedelt. Davor war dies nicht möglich, da es eine Gletscherlandschaft war.

Nachweislich wurde Estland das erste Mal Anfang des 13. Jahrhunderts besetzt. Damals von Dänen, die Estland missionieren wollten. Kurz darauf kamen dann auch noch die Deutschen Orden, die sich dann mit den Dänen über die Herrschaft gestritten haben. 1561 kamen dann die Schweden.

Im Jahre 1710 wurde Estland russisch. Am 24. Februar 1918 zogen die sowjetischen Truppen ab. Die eigentliche Unabhängigkeit Estlands wurde im Freiheitskrieg (1918-1920) erkämpft. Am 2. Februar 1920 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit Estlands im Frieden von Dorpat "auf alle Zeiten" an.

Estland geriet Später ins Visier der zwei Aggressoren, Sowjetunion und NS-Deutschland, die im August 1939 über baltische Staaten und Einflussbereiche in deren Territorien verhandelten. Kurz zuvor hatte das Deutsche Reich einen Nichtangriffspakt mit Estland und Lettland unterzeichnet. Im Oktober 1939 wurden die Deutsch-Balten (Adel, Gutsbesitzer, Kaufleute, viele Akademiker) in den "Warthegau" umgesiedelt. In den Jahren 1940 bis 1944 verließen 70.000 bis 75.000 Esten ihr Land in westliche Richtung auf der Flucht, vor allem vor den sowjetischen aber auch der deutschen Okkupation.

Am 16. Juni 1940 stellte die sowjetische Regierung Estland ein Ultimatum und besetzte es anschließend. Nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde Estland im August 1941 von deutschen Truppen besetzt. Im Herbst 1944 übernahm wieder die Rote Armee das Land. Die Estnische SSR wurde wieder eingerichtet und damit Estland wieder der Sowjetunion eingegliedert, ein Schritt, der vom Westen nicht anerkannt, aber hingenommen wurde. Erneut wurden tausende von Esten nach Sibirien deportiert. Wegen einer massiven Einwanderung überwiegend russischsprachiger Zuwanderer wurden die Esten in den östlichen Regionen gebietsweise (z. B. in Narva) zu einer Minderheit im eigenen Land.

Am 8. Mai 1990 erklärte der Oberste Rat der Estnischen Sowjetischen Sozialistischen Republik unter dem Vorsitzenden Arnold Rüütel einseitig seine erneute Souveränität unter der Bezeichnung Republik Estland, die es 1991 zusammen mit Litauen und Lettland durchsetzen konnte. Am 20. August 1991 erklärt die verfassungsgebende Versammlung das Land als eigenständig und erhielt faktisch die volle Unabhängigkeit. Um den friedlichen Übergang in die Unabhängigkeit nicht zu gefährden und den Anteil der russischsprachigen Bevölkerung nicht noch weiter zu erhöhen, verzichtete man auf die Rückgabe der von Russland zur Zeit der Okkupation abgetrennten Gebiete. Am 6. September 1991 erfolgte auch die Anerkennung der unabhängigen Republik Estland durch die Sowjetunion.

Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung:

Gletscher-Estland-Dänemark-Deutschland-Schweden-Russland-Estland-Deutschland-Russland-Estland

Mittler Weile wundere ich mich gar nicht mehr, dass Esten so verschlossen und zurückhaltend sind. Würde meine Heimat in der Vergangenheit ständig besetzt geworden sein, würde ich Fremden auch eher skeptisch gegenübertreten .

Weitere Infos und alles Mögliche Anschauliche zu dieser Zeit wird im Okkupationsmuseum in Tallinn echt toll präsentiert. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

Alles Liebe,

eure Krissi

 

Öös on tähti - muuseumiöö

Samstag, 17.05.2014

 War das Motto der diesjährigen Museumsnacht in Estland. Einmal im Jahr öffnen viele Musen in Estland ihre Türen auch in der Nacht mit einem kleinen Programm. Hanna, Diana, Elisabeth und mich zog es in dieser Nacht ins Freilichtmuseum hier in Tallinn. Jaaaaa, mittler Weile sind die Tage hier schon so lange, dass es auch Sinn macht bis ca. 23.00 Uhr im Freien zu sein. Wir hatten wirklich eine schöne Zeit dort. Zur Zeit ist eine Sonderausstellung im Freilichtmuseum "Eluring", der Kreislauf des Lebens. In verschiedenen Häusern  wurden Stationen des Lebens in der früheren Zeit in Estland dargestellt und Infotafeln gaben weitere Informationen. So konnte ich z.B. erfahren, dass früher das Taufwasser, mit dem Mädchen getauft wurden an einen Apfelbaum gegossen wurde, damit die Mädchen hübsch werden und das Taufwasser von Jungen von hohen Gebäuden gegossen wurde, damit sie groß und stark werden. Natürlich hatten wir auch genug Zeit um auf einer kiik zu schaukeln, Bäume zu umarmen, Blumen zu essen und einfach die Landschaft genießen.

Passend zum Motto der Museumsnacht gab u. a. es auch Erklärungen zu Sternbildern, sowie Märchenerzählungen. Da alles allerdings auf Estnisch war, haben wir uns lieber einfach frei bewegt.

 

 

Alles Liebe,

eure Krissi

 

Kulturunterschiede

Sonntag, 11.05.2014

Mittler Weile finde ich es sehr interessant zu beobachten, was so passiert, wenn Förderer und Unterstützer (meistens aus Skandinavien) zu uns ins Peeteli kommen und somit eine neue Kultur mit rein bringen. Hier 2 nette kleine Beispiele von meinem letzten Wochenende, bei dem wir Besuch von 13 Norwegern hatten:

 

* Freitagmorgen, kurz vor 9.30 Uhr im Peeteli

Unsre (estnische) Sekretärin deckt für ein Meeting die Tische ein. Da einige Personen erwartet werden verteilt sich das ganz auf 8 Tische damit jeder hat genügend Platz. Esten beanspruchen eine große Persönliche Zone und mögen es gar net, wenn man sich berührt. Sehr interessant ist das bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, aber dazu ein andres Mal... Doch dann kommen die Norweger, die natürlich ganz nahe bei ihren guten Freunden sitzen wollen und kurzerhand die Tische neu eindecken, sodass wir am Ende um 4 Tische sitzen anstatt um 8.

 

* Samstag so gegen 15 Uhr irgendwo im estnischen Wald

Wenn Blicke töten könnten, gäbe es nun eine Norwegerin weniger... Was hat sie getan? Sie hat versucht einen von unsren estnischen Jugendlichen zu umarmen. Ganz schlechte Idee. Schon nach der Begrüßung mit den Norwegern meinte der Jugendliche, dass dies (also eine Begrüßung mit Händeschütteln) schrecklich gewesen sei, da die Norweger seine Private Zone nicht respektiert hätten. Dementsprechend war ein gut gemeinter Gesprächsbeginn mit Körperkontakt einfach zu viel des Guten. Das Gespräch zwischen den beiden war auch recht kurz.

 

Mit vielen lieben Grüßen und einer großen Umarmung in die Welt hinaus,

eure Krissi

Einfach mal alles für 3 Stunden vergessen

Donnerstag, 08.05.2014

Schon oft habe ich euch berichtet unter welchen Bedingungen meine Kinder und Jugendlichen hier in Tallinn aufwachsen müssen. Es ist nicht immer einfach für sie und gerade deswegen ist es auch wichtig raus aus dem alltäglichem Leben und den Sorgen zu kommen um einfach mal Kind und Teenager sein zu können. Und genau dies ist heute mal wieder geschehen. Wir wurden vom Tivoli, einem kleinen Vergnügungspark in Tallinn, eingeladen. In kleinen Gruppen stürmten die Kinder und Jugendlichen los zur Achterbahn, dem Riesenrad, der Geisterbahn, ins Spiegellabyrinth, den Boxautos und all den andren Attraktionen. Ich habe mich hauptsächlich um unsren Kleinen gekümmert, aber von überallher habe ich die andren strahlend und winkend meinen Namen rufen hören. Ganz stolz haben sie gezeigt mit welchen Fahrgeschäften sie schon gefahren sind.

Und es ist genau dieses strahlen in den Augen, das mich immer wieder aufs Neue motiviert!

Die etwas andere Geschichte aus meinem estnischen Alltag

Samstag, 03.05.2014

The real story behind why Estonian is the way it is. A long time ago, about 100 or 9100 AD, three Estonian guys were sitting around the campfire. Their names were Billy, Ray and Duke. They were bored.
Billy spoke first. "Ya know Ray, what we need is a new language".

"Damn right!" said Ray, "Talkin' this way is gettin' boring and besides, everybody almost understands us. We need a language that's soo crazy, soo complicated that nobody will ever understand what's going on!".

As the idea picked up steam, Duke piped up. "Lets do it this way, that you can't say he or she. That way you won't know if you're talkin' about a man or women. Also, we gotta think up names for people that give no clue to foreigners about their gender, names that change with the grammar so you never know what to call somebody!"

Ray nodded in approval. "Yeah," he said thoughtfully, "that's it. Then we can eliminate the future tense. Think of trying to ask someone out on date when you can't say the right name, whether it's a boy or girl or when it is going to happen!"

Billy, the smart one, was thinking in more technical terms already. "OK, let's make it this way, that when you learn a noun, you don't have to learn just one word but 14. Yeah and instead of just saying that you are going to or from something, you have to change the noun in some weird way." Now Ray was excited and spilled his beer. "Yeah! And ... the nouns can't change the same way, let's make like, a hundred different spelling groups that all change in different ways!"

This appealed to Duke who added slyly, "Ya wanna make it real hard, a real nut-buster? Let's make it so all adjectives change, too. In boring old English, you say 'five small, red houses', 'small, red houses' and 'many small, red houses'. Small and red always stay the same but in our new language? Whoaaaa Nellie!"

Then they started practising how to say 'Oh, you're learning Estonian' without busting up laughing.

 

Quelle: http://uncyclopedia.wikia.com/wiki/Estonia