Berichte von 04/2014

Urlaubsstimmung

Montag, 28.04.2014

Nun hatte ich ihn auch: meinen ersten Urlaub im EFD. Da ich zum ersten Mal 4 Tage am Stück frei hatte, stand einer etwas weiteren Reise nichts im Wege. Ich wollte Estland verlassen und mein Ziel war die lettische Hauptstadt Riga . Dort habe ich mich mit Lisa und Rici, zwei deutsche Freiwillige in Polen, getroffen um gemeinsam die Stadt zu erkunden   . Es war echt toll dies mit den beiden zu tun. Immer wieder fanden wir eine schöne Sitzgelegenheit und die Zeit uns über den Freiwilligendienst und unser Gefühl und unsre Vorstellung für Europa auszutauschen. Ein echtes Highlight war für mich auch der Besuch in einem Drogerie Markt . Ja, in Lettland gibt es einen Drogerie Markt und Nein, ich vermisse nicht meine Freunde und Familie, was mir fehlt ist ein Drogerie Markt .

 

Natürlich hat Riga noch mehr zu bieten. Mit 699.200 Einwohnern ist Riga die größte Stadt im Baltikum und ich hatte seit langem mal wieder das Gefühl in einer Großstadt zu sein. Bekannt ist Riga für seine Jugendstilbauten und den Markt in den Zeppelinhallen. Dort bekommt man neben frischen Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse und Backwaren auch jede Menge Gewürze aus fernen Ländern . Obwohl Riga von Tallinn nur 4 1/2 Busstunden entfernt ist, ist es doch ein bisschen südlicher und somit echt wärmer und der Frühling ist schon dort. Es hat einfach so gut getan die Sonne mal wieder zu spüren und am Abend festzustellen doch ein bisschen Farbe ins Gesicht bekommen zu haben. 2014 brachte Lettland nicht nur den Euro; Riga ist gerade auch Europakulturhauptstadt und wirklich eine Reise wert . Zu Beginn meines EFDs hätte ich es niemals gedacht, dass ich einmal ein so großer Osteuropafan werde. Freunde, das Baltikum ist so wunderschön und steckt voller Überraschungen.

 

Wieder zurück in Tallinn gab es gleich die nächste freudige Nachricht: Mein Visum ist da - Russland ich komme!

 

Viele liebe Grüße,

eure Krissi

 

Ostern oder auch der große Eierfeiertag

Montag, 21.04.2014

Es ist (Oster-)Montagabend; ich gammle gerade so halbwach auf dem Sofa herum und kann es gar net so richtig fassen, dass Ostern war. Es war einfach mal so komplett anders und zum ersten mal in meiner Zeit hier in Estland frage ich mich, ob das nun auch so passt ist oder ob es nicht doch ein bisschen zu merkwürdig ist.

Um in Osterstimmung zu kommen war ich am Freitag mit Diana in einer Messe. Allerdings war die Messe, wie könnte es anders sein, komplett auf estnisch, und somit net so ganz verständlich für uns. 1h und 45 Minuten später ging es dann auch schon wieder ins Cafe und es war eigentlich alles ganz normal wie an einem Freitag eben, selbst der Supermarkt hatte bis 23 Uhr offen.

Am Sonntag ging es dann recht früh raus für mich, aber nicht etwa in die Kirche, sondern zur Arbeit. Ich hatte die Freude Ostern mit ca, 630 Erwachsenen und Kindern aus sozial benachteiligten Familien zu feiern. Dabei hatten wir die Unterstützung von der estnischen Bundeswehr (im Juni geht es mit denen auch für ein paar Tage Kanu fahren - ich muss es noch raus finden, warum uns eigentlich die Bundeswehr immer wieder unterstützt) und dem "Serve the City" Team.  Viel von der ganzen Veranstaltung habe ich jedoch net mitbekommen, da ich in einem Speisesaal war und Essen verteilt habe - viel Essen mit Nachtisch. Zwischendurch kam mir mal ein riesengroßer Osterhase entgegen, der Schokolade verteilt hat. 5 Stunden später war dann auch alles vorbei und es ging ab in den Park um mit einigen Freiwilligen Evas Geburtstag zu feiern.  Ein wirkliches "FROHES OSTERN" wünschen gab es jedoch net. Auf der großen Osterfeier habe ich mich kurz mit einer andren Mitarbeiterin vom Peeteli darüber unterhalten, wie man sich denn frohe Ostern auf estnisch wünscht (zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, ich brauche diesen Ausdruck) und sind dann irgendwann bei der russischen Variante gelandet. Auf russisch wünscht man sich "Христос воскрес - Воистину воскре" was so viel heißt wie "Christus ist auferstanden - wahrhaftig auferstanden". Und das kommt mir sehr bekannt vor .

Ach ja Einkaufen gehen war natürlich möglich am Ostersonntag, der hier in Estland besser bekannt ist als großer Eierfeiertag.

 

Tja und heute am Montag war auch wieder alles total normal, die Kinder sind wie an jedem Montag wieder in die Schule gegangen und der Alltag war wieder da. Wir haben angefangen die Kleiderausgabe morgen vorzubereiten und die Kirche in einen großen Kleiderflohmarkt verwandelt.

Um auch ein bisschen Ostern am Montag zu haben wollten Sandra, Sophia (unsre beiden Freiwilligen aus Finnland), Eva und ich mit den Kindern lauter Spiele rund ums Ei spielen (um auch einen Bezug zum großen Eierfeiertag zu bekommen), was     ein bisschen chaotisch war. Da es am Ende eine Osternestsuche mit Schokolade gab, waren dann doch noch alle zufrieden (Ostereier suchen ist in Estland keine Tradition und somit war es für die Kinder echt ein Spiel).

 

Und das war mein estnisches Osterfest 2014,

alles Liebe,

eure Krissi

Turbulente Zeiten

Mittwoch, 16.04.2014

Wie ihr gemerkt habt, habe ich in der letzten Zeit net so viel von mir hören lassen. Zum einen hatte ich einen nervigen Husten und Schnupfen und zum andren bin ich umgezogen. Die nicht so tollen Ereignisse im Hostel haben sich einfach so sehr gehäuft. Es gab auch immer wieder Gespräche mit der Hostelleitung doch am Ende wurde mir nahegelegt auszuziehen. Sehr überrascht waren sie dann als Eva und ich keine Woche später wirklich unsre sieben Sachen gepackt haben (davor hat unser Projekt natürlich noch den Vertrag gekündigt) und ausgezogen sind. Tja und nun sitze ich nicht mehr im Hostelzimmer in der Altstadt sondern in einer richtige Wohnung in Mustamäe, einen Wohnviertel hier in Tallinn. So sieht mein neuer Ausblick aus: Plattenbauten überall, die bisher auch alle gleich aussehen.

Einiges hat sich verändert:

* Mein Arbeitsweg hat sich verdoppelt.

* Wenn ich die Wohnungstüre schließe, weiß ich, dass keine fremden Menschen mehr rein kommen.

* Ich darf mir nun ein Zimmer mit Eva teilen.

* Besucher dürfen so lange bleiben wie sie wollen, sogar über Nacht .

* Meine Schmutzwäsche kann ich zu Hause waschen ohne dafür 2 Euro zu bezahlen.

* Ich kann wieder so Dinge tun, die Erwachsene tun: Müll raus bringen, den Briefkasten leeren, Putzen, die Haustüre abschließen,...

* Internet funktioniert nur mit einem Stick und ich kann nun mitverfolgen wie sich Internetseiten aufbauen und laden.

* Bus Nummer 40 ist plötzlich nicht mehr wichtig für mich, die wichtige Nummer ist nun die 33

* Es gibt hier mehr Küchengeräte, wie ich brauche.

* Die Wohnung war schon komplett eingerichtet und dekoriert.

* Ich habe keine Ahnung wo der nächste 24h Laden ist, also muss ich es mir vorher überlegen, wann ich wo einkaufen gehe.

* Die Teller, Tassen und überhaupt die ganze Einrichtung sieht so hochwertig aus, dass ich bedenken habe, was passiert, wenn etwas kaputt geht (ich hoffe meine AXA deckt alles).

* Ich trinke wieder aus Gläsern.

* Mein Leben spielt sich nicht nur im Bett und am Schreibtisch ab, denn nun gibt es auch noch ein Sofa, einen Sessel und einen Esstisch.

* Ich muss keinen Touristen mehr ausweichen, die Fotos machen.

* Diana und Giorgos, zwei Freiwilligenfreunde, wohnen keine 10 Minuten zu Fuß weg. Ich muss also keinen Bus mehr benutzen um Freunde zu sehen.

* Plötzlich ist es wichtig zu wissen, wann der letzte Bus nach Hause fährt.

 

Wie ein paar Blogeinträge vorher beschrieben, wohne ich nun in der Wohnung der Norwegerin und fühle mich bisher total wohl damit. Wer meine neue Adresse braucht, bitte melden!

 

Viele liebe Grüße,

eure Krissi

Navitrolla

Freitag, 11.04.2014

Heute möchte ich euch einmal die Welt meines Lieblingskünstlers hier in Estland mitnehmen. Schaut euch hier einfach mal ein paar Fotos von seinen Bildern an:

Ein Grund, warum mir die Bilder so gefallen ist ihre Ähnlichkeit zu den Bildern von dem Dixit Spiel: Sie laden zum Fantasieren ein.

 

Estland wäre nicht Estland, wenn der Künstler keine Galerie hätte, die ich natürlich schon mehrmals besucht habe. Leider hat es sich nur noch nie ergeben, dass ich ihn dort persönlich angetroffen habe.

Sein bürgerlicher Name ist Heiki Trolla. Er verbrachte seine Kindheit in den Dörfern Navi und Trolla im Süden Estland, welche die Quelle seines Künstlernamens ist.

 

Wer noch mehr von ihm sehen mag, kann gerne mal auf seiner Homepage vorbei schauen oder mich in Tallinn besuchen kommen .

 

Liebs Grüßle,

Krissi

Abschiedsdatum

Samstag, 05.04.2014

Nachdem die ersten Freiwilligen aus meinem Jahrgang ihren Dienst schon beendet haben, die Gespräche über die Zukunftsplanung sich häufen, ich selbst anfange mir mehr Gedanken über meinen YouthPass und dessen Inhalt zu machen, einige Freiwillige etwas in Zeitstress kommen mit Aktionen, die sie noch erfüllen wollen und meine Nachfolger/in gesucht wird, ist es wohl an der Zeit, dass ich auch etwas an meine Rückreise denke. Ahhh, da wird mir schon ganz anders. Gerade läuft echt alles so gut, die Tage werden immer länger und die Sonne scheint wieder und eigentlich will ich doch gar net gehen...

Bisher war mein Fixpunkt zum Zurückkommen immer die Hochzeit von Franzi und André Anfang September, aber nun ist das Datum etwas mehr auf Ende August gekommen. Ich kann es einfach nicht lassen; eine Jugendwerksfreizeit im Jahr MUSS einfach sein . Somit freue ich mich nun Mitarbeitern bei der Hausfreizeit zu sein. Ich werde also spätestens am 29. August wieder im Ländle ankommen. Eine meiner letzten Aktionen bevor ich nach Estland gefahren bin, war als Mitarbeiterin bei der Hausfreizeit zu sein. Nun wird es meine erste Aktion nach dem EFD. Wenn das mal nicht ein gelungener Rahmen ist.

Aus diesem Anlass möchte ich alle denen, die mit Kinder zwischen 9 und 12 Jahren Kontakt haben, die Hausfreizeit ans Herz legen. Es gibt noch freie Plätze, für mehr Infos einfach HIER vorbeischauen.

 

Alles Liebe,

eure Krissi

Weil wir alle Europa sind

Mittwoch, 02.04.2014

Richtig gefreut habe ich mich als ich vor 5 Tagen eine Einladung von Diana, einer meiner Mitfreiwilligen, zum Abendessen erhalten habe. Ihre Eltern aus Portugal sind zur Zeit zu besuch in Tallinn und für ihren letzten Abend haben sie ein bisschen Portugal zu uns ins verschneite Tallinn geholt. Es gab Musik, Wein und natürlich Essen aus Portugal. Und darüberhinaus eine geniale Gemeinschaft, was ja klar ist, wenn eine Portugiesin samt Eltern, eine Spanierin, ein Grieche, eine Estin und eine Deutsch-Griechin zusammen kommen.

Dianas Eltern waren super nett und auch wenn sie kaum englisch sprechen können, haben wir uns alle super verstanden. Das Gespräch von Giorgos und Dianas Vater über Fußball hätte man echt filmen müssen .

Unsre Tischgemeinschaft

Sehr ergreifend fand ich die Verabschiedung von den Eltern, die betont haben, dass Dianas Freunde auch ihre Freunde sind und wir alle jederzeit herzlich willkommen in ihrem zu Hause in Portugal sind. Nach 7 Monaten Freiwilligendienst ist es auch echt nett einmal die Eltern der neuen Freunde kennen zu lernen.

 

Und so verging wieder ein wunderschöner Abend, der erste im April 2014.

Guts Nächtle,

eure Krissi