Berichte von 12/2013

Helsinki

Montag, 30.12.2013

Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich es zum ersten Mal gewagt Estland zu verlassen. Helsinki, also Finnland, war mein Ziel. Und von Tallinn aus ist es auch gar net schwer einen Tagesausflug in die finnische Hauptstadt zu machen. Helsinki liegt nur ca. 85km entfernt von Tallinn - quasi auf der anderen Seite des finnischen Meerbusens. Wenn ich von Tallinn aus nach Tartu (nach Tallinn die zweitgrößte Stadt Estlands) fahren möchte, brauche ich mit dem Bus 2,5 Stunden - genau wie mit dem Schiff nach Helsinki. Das Ticket war schnell und einfach online gebucht (es gibt sogar extra ein Tagesticket) und so konnte es zusammen mit Elisabeth (eine andre Freiwillige in Tallinn) und ihren Freunden, Dennis und Daniela, los gehen. Und bei einem solchen Ausblick reist man doch gerne:

 

 

Unser erstes Ziel in Helsinki sollte die Touristeninformation sein. Wir hatten vorher uns keinen Plan überlegt, was wir uns anschauen wollten. Schon auf dem Weg dorthin entdeckten wir die erste Kirche, die "Uspenski Cathedral". Leider haben wir nicht die offene Eingangstüre gefunden, sodass wir die Kirche nur von außen begutachten konnten. Im laufe des Tages besuchten wir aber  noch das Wahrzeichen des Stadt, die "Helsinki Cathedral". Leider konnten wir uns auch diese nicht von Innen ansehen, da wir zur Zeit des Mittagsgebetes ankamen... Aller guter Dinge sind drei, also besuchten wir auch noch die "Temppeliaukio Church", die auch "Rock Church" genannt wird. "Rock Church" darf nicht falsch verstanden werden; es handelt sich dabei nicht um die finnische Antwort von Gospel Gesängen - die Kirche ist in einen Stein hinein gebaut. Schwer zu erklären, schaut euch einfach die Fotos an:

 

 

Unterwegs kamen wir auch noch ein einigen netten Gassen und weiteren sehenswerten Gebäuden vorbei. Helsinki ist irgendwie wie die meisten europäischen Hauptstädte. 

 

Kurz vor Sonnenuntergang schafften wir es auch noch mit einem kleinen Boot nach Soumenlinna zu fahren, einer kleinen Inselkette kurz vor Helsinki. Die vier Inseln sind mit Brücken miteinander verbunden und bilden die Seefestung. Das ganze ist ein rießiges Freilichtmuseum. "Soumenlinna wurde 1991 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenmmen, um als Beispiel herausfagender europäischer Militärarchitektur für die nachfolgenden Gerneratinen erhalten zu bleiben. Soumenlinna ist eine Bastionsfestung mit unregelmäßigem Grundriss, die sich auf unterschiedlichen Ebenen über mehrer Inseln erstreckt. Von besonderer Bedeutung für die Geschichte der Festung ist die Tatsache, dass sie drei Staaten als Verteidigungsanlage diente: Schweden, Russland und Finnland..." So heißt es in einem Flyer über die Inselkette. Richtig überrascht war ich, als ich erfahren habe, dass heute noch immer ca. 800 Menschen dort leben. Auf der Insel gab es jede Menge zu entdecken:

Wieder zurück in Helsinki hatten wir noch genug Zeit um ein bisschen zu shoppen und Abend zu essen bevor es mit der Fähre wieder zurück nach Tallinn ging.

Ein kleines Highlight des Ausfulges war für mich auch der Besuch im Muuminshop. Kennt ihr die Muumins? Das sind so kleine weiße Fabelwesen, von denen es Kinderbücher und Kinderkurzfilme gibt. Sie haben mich durch meine Kindheit begleitet. Und da sie aus Finnland kommen, sind sie hier immer allgegenwärtig. Also habe auch ich mich im Shop mit ein paar kleinen Erinnerungen eingedeckt, u.a. mit einem neuen Reflektor für die Jacke.

 

Eigentlich habe ich ja keine Probleme mit dem Schiff fahren. Doch die Kombination aus Müdigkeit und schwankendem Schiff hat meinem Körper glaub net ganz so gutgetan. Deswegen habe ich versucht so viel wie nur Möglich einfach zu Schlafen auf der Heimreise. Ein bisschen war ich dann echt froh am Ende des Tages wieder estnischen Boden unter den Füßen zu spüren.

 

Liebe Grüße,

Krissi

Weihnachtsfeiertage

Freitag, 27.12.2013

Schon bevor ich nach Estland gefahren bin, hatte ich es eigentlich klar, dass ich mein EFD Jahr wirklich ganz in Estland verbringen möchte, also auch an Weihnachten. An meinem Entschluss habe ich auch nie gezweifelt und so kam es, dass ich die Weihnachtsfeiertage hier in Estland verbracht habe. Es war schon früh klar, dass die meisten von unsren (Peeteli-) Kindern über Weihnachten in ihren Familien sind (und das Day Care Center eh geschlossen hat an Sonn- und Feiertagen).

Weihnachten verbringt man ja mit den Menschen, die einem nahe stehen. Da Familie und (alte) Freunde nicht in Estland sind, wollte ich die Weihnachtsfeiertage mit meinen Lieben hier in Estland verbringen: den andren EFD Freiwilligen. Und so kam es, dass wir am Ende zu 18. gefeiert haben. Anna-Maria stellte eine alte leerstehende Villa von ihrem Projekt zur Verfügung und somit reisten wir alle aus ganz Estland nach Elva. Eine typische Kleinstadt in Estland: Wald, See und ein paar Häuschen - > Irgendwo in Nirgendwo.

Die drei Weihnachtsfeiertage haben wir alle auch sehr gemütlich verbracht. 18 verschiedene Menschen aus ganz verschiedenen Ländern von Portugal, Spanien, Deutschland, Österreich, Slovenien, Griechenland, Polen, Tschechien, Kroatien, Ungarn bis nach Weißrussland zwischen 18 und 30 Jahren zusammen verteilt auf 3 Schlafzimmer, wovon eines auch als Wohnzimmer dient, auf einem Haufen, das ist schon etwas. Wahrscheinlich lag es wirklich an Weihnachten, dass wir alle die Tage so friedlich verbracht haben. Immer wieder ergaben sich kleine Gruppen zum Spazieren gehen, Kochen, Spiele spielen, Singen, Reden, Lesen oder Film schauen. Ich hatte nie das Gefühl, dass sich niemand alleine gefühlt hat.

 

Als ich am 25. Dezember nach einem Gespräch mit Jure über die offene Kinder- und Jugendarbeit in Slowenien, wieder ins Wohnzimmer gekommen bin, sah ich ein schönes Bild: die Freiwilligen saßen verteilt im Raum, beschäftigt mit verschiedenen Sachen und es stahlte ein Frieden aus von diesem Bild, einfach unbeschreiblich. Dazu kam noch, dass es draußen schon dunkel war und wir alle mit Kerzenlicht im Raum waren.

 

Wir hatten auch einen echten Weihnachtsbaum mit vielen Geschenken - natürlich im Freiwilligenstil mit bunt zusammengesammelten und -gebastelten Schmuck mit echten Kerzen, die wir sogar einmal kurz angezunden hatten.

Mit einigen Freiwilligen habe ich mich am 24. abends auch auf dem Weg in die Kirche gemacht, wie es sich an Weihnachten eben so gehört. Viel verstanden habe ich von dem Gottesdienst jedoch nicht, mal abgesehen von der Tatsache, dass Jesus geboren wurde. Allerdings habe ich die Abkündigungen echt ganz verstanden und die meisten Lieder vom Gottesdienst kamen mir zwar nicht vom Text, aber immerhin von der Melodie her bekannt vor. Weihnachtslieder sind einfach international.

Am 25. gab es auch noch ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk: Die Sonne. Ich hatte sie schon gut 2 Wochen nicht mehr gesehen.  Wie heißt es doch so schön: Jesus kommt als Licht der Welt zu uns. Und das durfte ich auch miterleben. Das Thema eignet sich auch um noch ein paar Landschaftsbilder aus Elva zu posten:

Geschlafen habe ich jede Nacht im Wohnzimmer zusammen mit Diana, Jure, Florian, Tomas, Giorgos und Georgos. Bestimmt habt ihr euch gefagt, wie wir die Zimmer eingeteilt haben. Ganz simpel nach den zu-Bett-geh-Zeiten Lächelnd bzw. in dem kleinen Zimmer waren einfach fix 4 Mädels. Das Wohnzimmer war das Schlafzimmer von den Letzen. Irgendwie waren wir immer bis 5.00 Uhr morgens wach, da wir stundenlang Werwolf gespielt haben und als zu viele schlafen waren auf Black-Stories umgestiegen sind.

Hier noch die restlichen Fotos, die für mich ein unvergessliches Weihnachten gezaubert haben:

Viele liebe Grüße,

eure Krissi

21. Dezember 2013 - der küzerste Tag im Jahr 2013

Samstag, 21.12.2013

Immer wieder wird feierlich von dem längsten Tag im Jahr berichtet, sodass ich denke, dass auf meinem Blog auch Platz ist für den kürersten Tag im Jahr Lächelnd. Der war nämlich heute. Laut meinem Kalender ist die Sonne heute um 9.37 Uhr auf und um 15.23 Uhr schon wieder unter gegangen. Das heißt wir hier in Estland hatten heute 5 Stunden und 46 Minuten lange Tageslicht. Das mit dem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang hatte sich etwas erledigt, da eine dicke Wolkendecke die Sicht versperrt hat. Es war heute also hauptsächlich grau. ABER: Ab jetzt geht es lichttechnisch wieder bergauf Zwinkernd.

 

Ich habe den heutigen Tag eigentlich recht gemütlich verlebt. Unter andrem war ich seit langem mal wieder mit Elisabeth am Strand:

 

 

Anschließend war ich noch kurz etwas in der Stadt unterwegs. In der Altstadt wusseln alle herum und ich höre überall die deutsche Sprache. Die Stadt ist fest in der touristischen Hand. Das Foto vom Weihnachtsmarkt habe ich im übrigen kurz vor 15.30 Uhr aufgenommen, quasi zum Sonnenuntergang:

 

Immer wieder werde ich auch gefragt, ob wir denn Schnee in Tallinn haben: NEIN! Es ist gerade einfach zu warm... Wir haben Regen, dafür so ca. +5c. Hat ja auch was.

Vor ca. 2 Wochen war ich in Viljandi. Da hatte ich Schnee. Hier ein paar Beweisfotos:

So wie es aussieht werde ich dieses Jahr auch "must joulud" haben. "Must joulud" heißt übersetzt "schwarze Weihnachten". Während man in Deutschland von der "weißen Weihnacht" spricht, gibt es in Estland den Ausdruck der schwarzen Weihnacht wirklich. Ich habe mir mal überlegt, wie man in Deutschland zu Weihnachten ohne Schnee sagt, aber ich weiß es leider nicht. Falls es jemand weiß, bitte mal kommentieren. Aitäh!

 

Da ich vor Weihnachten wahrscheinlich keinen Blogeintrag mehr schreibe werde wünsche ich euch allen und denen, die ihr im Herzen tragt, ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Festtage! Habt eine gute Zeit,

eure Krissi

Ein wunderbarer Ort

Mittwoch, 18.12.2013

Wie schon erwähnt habe ich das letze Wochenende in Tartut verbracht. Der Tag, mit dem Frühstückseis, führte mich noch zu einem wunderbaren Ort: dem trykimuuseum, einem Druck- und Papiermuseum. Allerdings ist es nicht die Art von Museum, in die man geht und Sachen bestaunt, es läd eher dazu ein selbst kreativ zu werden, Papiere zu bedrucken und herauszufinden welche wunderschöne Dinge man doch alles aus einem Stückchen Papier zaubern kann. Mich erinnert es auch vielmehr an ein Loft, mit einer ganz besondren Ausstrahlung. Einfach wunderbar. In jeder Ecke stecken so viele kleine Schätze, das ich gar nicht mehr aus dem Staunen heraus gekommen bin. Auch wenn ich es nicht ganz geschafft habe diese Stimmung auf Fotos festzuhalten, hier mal ein paar Bilder von Museum:

Am Wochenende waren dort mehrer Workshops. Ich habe einen Workshop zum Papierschöpfen und zum Fotoalbum machen besucht:

Da ich mich dort so wohl gefühlt habe, werde ich auch auf jeden Fall nochmal dorthin zurück kehren, dann vielleicht ohne Workshops, einfach nur zum Stimmung genießen und ein bisschen freiem kreativ werden.

 

Häid päev *,

Krissi

 

* Ich habe nun endlich mal eine schöne estnische Verabschiedung gelernt: häid päev (-> Schönen Tag)

Eis zum Frühstück

Montag, 16.12.2013

Letzten Samstag ging es für mich mal wieder nach Tartu. Tartu ist weiterhin eine von meinen Lieblingsstädten in Estland. Das Zentrum hat eine überschaubare größe, man kommt super überall zu Fuß bin, es gibt viele kulturelle Angebote, es sind nicht zu viele Menschen überall und es ist eben einfach eine nette, kleine, junge Studentenstadt mit vielen Cafes, Bars, Kneipen, Ausstellungen,... Hier blüht auch im Winter das volle Leben.

Nur noch mal so zum Vergleich: In ganz Estland leben mit knapp 1,4 Millionen Menschen. Das sind weniger Menschen wie in München (München hat über 1,4 Millionen Einwohner). Auch wenn ich in der Hauptstadt lebe, die auch die größe Stadt Estlands ist, ist echt das ganze Estlandfeeling eher so auf das kleine und ruhige ausgelegt. Schließlich heißt es nicht umsonst: Esten sind die Erdbeeren - sie verstecken sich im Wald,...

 

Mit dem Bus ging es also am Samstagmorgen mal wieder los vom Bussijam nach Tartu. Elisabeth war auch mit dabei, also hatte ich gleich jemand zum Reden im Bus. In Tartu trafen wir dann auch noch auf Shushanik, Anna-Maria und wenig später auch noch auf Vincent. Kaum am Rathausplatz angekommen tanzen viele Menschen in Folkstanzgruppen um den großen leuchtend geschmückten Tannenbaum herum.

 

Uns fünf zog es erst mal in den Pulverkeller zum Mittagessen und der Tagesplanung. 

 

Unser erstes Ziel sollte der Weihnachtsmarkt sein. Wer nun an kleine Holzhütten denkt, die festlisch geschmückt sind, hat sich getäucht. Ich glaube der Weihnachtsmark fand nur am Samstag statt. Viele Stände bestanden daher einfach nur aus Tischen. Einfach aber gut. Angeboten wurden auch keine kitschigen Sachen, die niemand braucht, sondern viel handgemachtes. Echt schön.

Ganz Tartu ist auch sehr festlich geschmückt:

 

Warum Esten allerdings Kronleuchter aufhängen weiß ich auch net so genau...

 

Unser nächstes Ziel für den Tag war das Kunstmuseum, in dem eine Ausstellung über Estlands Natur sowie über Menschen in ihrem Alltag, ist. Eigentlich ist das fotographieren im Haus nicht erlaubt, allerdings ist das Kunstmuseum nicht in einem normalen Haus: das ganze Haus ist schief. Und da konnte ich es einfach net lassen ein Beweisfoto zu machen. Ich habe ja kein Gemälde fotografiert.

 

 

Am Abend fand ein Youthmeeting statt (zufälliger Weise im deutschen Kulturinstitut - es hatte allerdings nichts mit Deutschland zu tun) zu dem dann auch noch Kristi und Eva gekommen waren. Unsre Gruppe wurde immer größer. Bei dem Youthmeeting haben wir u.a. gesungen und ich habe ein tolles neues estnisches Weihnachtslied kennen gelernt: Püha öö -> Folgt mal dem Link und hört rein. Ihr kennt das Lied bestimmt alle Zwinkernd

 

Da der Abend noch jung war und wir Freiwilligen mal wieder hungrig waren, zog es uns in die Wohung von Vincent. Wir mussten uns von Eva verabschieden, dafür kamen Flo, Ben und Luci noch dazu. Wer die ganze Zeit mitgerechnet hat, stellt fest, dass wir dann zu neunt waren. Standartmäßig gab es mal wieder Pasta (auch wenn es Ben aus Italien nicht als Pasta bezeichnet hat). Beim Einkaufen hatten wir auch noch dran gedacht einen Nachtisch mitzunehmen, aber irgendwie hat es sich ergeben, dass wir ihn nicht gegessen haben. Deswegen gab es das Eis einfach am nächsten Morgen zum Frühstück. Ja, man kann Eis auch zum Frühstück essen. Schmeckt besonderst gut, wenn es drausen auch schneit Lächelnd. Die restliche Nacht haben wir in 2 Bars verbracht.

 

Es war wirklich ein schöner und abwechslungsreicher Tag mit vielen lieben Mitfreiwilligen. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es in dem kleinen Estland so viele tolle Freiwillige gibt und bin sehr dankbar diese alle kennen zu lernen.

Liebs Grüßle,

eure Krissi 

SAS Jule fly

Dienstag, 10.12.2013

Oder die Invasion der 130 Norweger Zwinkernd.

 

Zuerst einmal: SAS ist eine norwegische Fluggesellschaft, die seit ca. 13 Jahren in der Adventszeit mit einem Flugzeug voller Norweger nach Tallinn kommt um mit uns eine große Weihnachtsfeier für obdachlose Menschen und sozial benachteiligte Familien zu veranstalten. Und genau diese Veranstaltung hatten wir am vergangenen Wochenende!

 

Im Vorfeld gab es viel zu organisieren. Auch wenn ich davon so gut wie nichts mitbekommen habe, kann ich mir vorstellen, was es für ein Aufwand ist so viele Menschen zu mobilisieren, Güter (auch bei uns gibt es kein Weihnachtsfest ohne Geschenke) zu transpotieren und dabei natürlich immer schön lächeln Lächelnd. Ich habe im übrigen nur deswegen nichts von der Planung mitbekommen, da ich so sehr mit dem Packen von Weihnachtstüten beschäftigt war, wie ihr im vorherigen Blogeintrag schon lesen konntet Cool.

 

Nun aber mal zu dem Tag. In erster Linie bestand meine Aufgabe darin mit dem blauen Bussle rumzufahren. Also ging es morgens um 9.30 Uhr los vom Peeteli mit dem am Vortag bepacktem Bus auf den Parkplatz der Suppenküche. Ich staunte nicht schlecht, also dort zwei große Autos der estnischen Bundeswehr mit vielen Wehrdienstleistenen standen und vier große Zelte für uns aufbauten.

Eva und ich durften zusammen mit einigen Kindern einen Weihnachtsbaum schmücken.

Als dann die beiden großen Busse der Norweger kamen, ging alles irgendwie total schnell. Kein Wunder, wenn ca. 140 Leute zusammen anpacken. Kurz nachdem alles aufgebaut war und sich der Platz immer mehr mit Menschen füllte, gab es eine kurze Ansprache mit einem Lied und dann ging auch schon das Verteilen los. Einige verteilten Essen, andere Weihnachtsgeschenke und die Norweger sämtliche mitgebrachten Sachen. Irgendwie hatte jeder etwas zu tun und das ganze Fest war auch recht schnell wieder vorbei - die Bundeswehr kam wieder und baute ihre Zelte wieder ab.

Für mich ging es dann im blauen Bussle weiter zu den Familienbesuchen, natürlich mit den Norwegern. Anfangs fand ich die Idee etwas bedenklich mit all den reichen Norwegern zu unsren Familien zu fahren. Ich meine da prallen schon Welten zusammen. Auch wenn ich es schön finde, dass die Norweger ein solches Intresse an den Familien, die sie bespenden, zeigen, dachte ich zu beginn, es könne schnell eine Art "Zoobesuch" werden. Schon nach nicht mal 2 Minuten in der ersten Familie wurde mir aber klar, dass es so nicht ist. Es war, wie wenn Freunde Freunde besuchen und ein paar Geschenke mitbringen. Es waren Aussagen wie "In meinem Zimmer waren noch niemals so viele Menschen - und es war noch niemals mit so viel liebe gefüllt!", die mich sehr berührt haben.

 

Am Nachmittag ging es dann mit der nächsten Feier weiter und am Abend kamen die meisten beteiligten Personen noch einmal zu einem feierlichem Abendessen zusammen, in dem viele Reden gehalten wurde. Praktischer Weise wurde alles ins norwegische bzw. estnische übersetzt. Sehr praktisch für mich... Es  gababer auch Zeit um sich noch ein bisschen zu unterhalten. Für mich war es schön ein bisschen zu erfahren, wer so die Norweger sind, die viel spenden und dann einfach mal übers Wochenende nach Estland kommen um eine solche Feier zu veranstalten.

 

Müde und voller Eindrücke ging ein bewegender Tag für mich zu Ende, der mir gezeigt hat wie viel Freude Weihnachten zu den Menschen bringen kann.

 

Habt eine gute Zeit,

eure Krissi

941 Weihnachtstüten später...

Freitag, 06.12.2013

... kann Weihnachten auch bei uns kommen!

 

Wenn ich so an meine Vormittagsbeschäftigungen der letzen Woche denke, denke ich an das Packen von Weihnachtsgeschenken im sehr großem Stil. Zuerst kamen 211 Tüten (wir haben alles in Tüten verpackt - geht schneller und es effektiver) für sozial benachteiligte Familie und 25 Tüten für Obachlose, die gerade im Krankenhaus sind. Am nächsten Tag gab es 15 Tüten für ehrenamtliche Mitarbeiter der Suppenküche und 340 Tüten für Kinder (aus den 211 sozial benachteiligten Familien). Und schließlich der große Abschluss mit 350 Tüten für obdachlose Menschen. Jede Menge Geschenke und erfreulicher Weise immer wieder helfenden Händen beim Packen. Und bei jeder Tüte der Gedanke einem Menschen damit ein bisschen Weihnachten näher zu bringen. Ich freue mich jetzt schon auf das verteilen der Tüten Lächelnd.

Und hier noch drei meiner Lieblingsfotos rund ums Thema Weihnachtstüten packen 2013:

 

Viele liebe vorweihnachtliche Grüße,

eure Krissi

 

100 Tage in Eesti

Mittwoch, 04.12.2013

Wenn das mal nicht ein Grund für einen Blogeintrag ist. Aber was erzählt man denn so nach 100 Tagen in Estland!?!

Hier erst mal ein Link zu einem Youtube Video, das eine nette informative Prässentation über Estland gibt. Zurücklehnen, entspannen und mal schauen welche Daten, Fakten und Orte ihr schon kennt Zwinkernd

 

Nun könnte ich auch anfangen viele Vorurteile über Estland zu schreiben, aber ich möchte euch einfach mal ein bisschen berichten, was für mich nun einfach schon total normal ist hier in meinem EFD Jahr in Tallinn:

* Milch ist Nationalgetränk: es gibt es immer (zu jedem Essen) und wird in Plastiktüten verkauft

* Jourgurt wird hier gerne getrunken und wird in Tetrapacks verkauft

* Die estnische Sprache ist gar nicht so kompliziert, es werden alle Buchstaben so ausgesprochen wie sie dastehen und es wird immer die erste Silbe betont. Das macht das Lesen von Worten wie "lennujaamajulgestusteenindaja" zum Kinderspiel

* Das verlassen eines Supermarktes ohne Kohuke ist unvorstellbar

* Ein Tag ohne Kartoffeln zum Essen?!? Never ever

* Elchsuppe schmeckt auch ganz gut

* Wer braucht schon Tageslicht? Wir haben ja Strom und der läuft ab Mitte November einfach immer (mittler Weile muss ich um 14.00 Uhr schon das Licht in meinem Zimmer einschalten)

* Es gibt tatsächlich Finnen, die für eine Nacht mit der Fähre nach Tallinn fahren nur um sich zu betrinken. Alkohol ist hier echt sehr billig...

* Freies WLan ist schon eine feine Sache und googel mapps retten einem auch zuverlässig im Wald.

* Mit dem Bus kommt man überall hin - nur nach Helsinki und Stockholm braucht man ein Schiff

* "Esten sind wie..." - Sprüche verschöneren einem die Tage

* Es lohnt sich auch mal kurz für ein Kohuke in den Supermarkt zu gehen und die 23 Cent mit der Kreditkarte zu bazahlen. Wer braucht schon Bargeld?

* Dann fahren wir halt mal kurz 70km durch den Wald um zur nächsten Großstadt zu kommen

* Nicht jeder Este geht täglich in die Sauna!

* Ich kann ganz praktisch nebenher noch russisch lernen

* Der Busfahrer vom Stadtbus schaltet seine Musik einfach auf den Lautsprecher, damit alle, die im Bus sind, etwas von seinem Musikgeschmack haben

* Worte wie "töööö" gibt es wirklich - sie stehen nicht etwa für ein Autogeräusch, sondern bedeuten Nachtdienst (töö steht für arbeit und öö für Nacht)

* Dass ich in einigen Geschäften wie z.B. der Post erst mal eine Nummer ziehe um dann an den nächsten Schalter gehe, sobad meine Nummer aufgerufen wird. Dies tue ich natürlich auch, wenn ich der einzige Kunde im Laden bin. Alles braucht ja seine Ordnung

* In jede Suppe gehört zur Krönung noch ein Tropfen saure Sahne oben drauf

* Kein Besuch, ohne Blumen mitzubringen!

* Norwegische JAPP Riegel schmecken am Besten tiefgekühlt

* JEDER trägt einen Reflektor - und richtig gut Fotos lassen sich eh nur machen, wenn der Reflektor leuchtet

* Stehen mitten in Wald einmal 10 Häuser nahe beinander, ist das schon ein Ort

* Ich rede mir gerade täglich ein: -10 C ist nicht kalt! Kalt wir es erst bei -30 C und bis dahin haben wir ja noch ein bisschen Zeit

* Der Kokosduft hat sich in Estland eindeutig noch noch durchgesetzt. Jaaaa, das ist wirklich die einzige materielle Sache, die ich vermisse Zwinkernd - und ich freue mich schon wieder auf eine Dusche in Deutschland mit Kokosduschgel

 

Das war es mal wieder von mir hier aus Estland; seid alle lieb gegrüßt,

eure Krissi